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Die Bearbeitung

Warum werden Rohdiamanten überhaupt bearbeitet?

Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Weil ein Rohdiamant
nicht die Brillanz hat, die durch das Schleifen erst ermöglicht wird - er sieht
einfach nicht so toll aus. Rohdiamant besitzt eine natürliche Reflexion
von nur 17%. Durch das Anlegen von Facetten (Schleifen) erhält er aber ein
vielfaches: das Leuchten und Funkeln wird verstärkt - das berühmte
sogenannte "Feuer" des Diamanten entsteht.

Hier sei noch einmal der bemerkenswerte Ausspruch von G. F. Herbert Smith wiederholt: "A rough diamond [...] is no more attractive to the eye than
a piece of washing-soda." (Ein ungeschliffener Diamant ist nicht mehr schöner
wie ein Stück Seife.)

Nach dieser kleinen Einstimmung müssen wir uns, bevor wir die gegenwärtigen Bearbeitungstechniken betrachten, der Historie zuwenden.
Schon zur Zeit von Cellini war die Bearbeitung von Diamanten
in 4 Schritte unterteilt:

1. das Spalten des Rohdiamanten
2. das Reiben der gespaltenen Teile
3. das Schleifen und
4. das Polieren der Facetten

Mitte des 17. Jahrhunderts kam das Sägen des Rohdiamanten hinzu.
Man hatte sich zuerst mittels eines feinen Eisendrahtes, der mit durch Öl
gebundenes Diamantpulver beschichtet war, an diese schwierige Aufgabe
herangewagt. Das war aber noch eine sehr mühselige und zeitaufwendige
Technik (oft mehr als einen Monat).
Erst zur Jahrhundertwende war mit der Erfindung eines dünnen, rotierenden
Sägeblattes aus Phophorbronze der wesentliche Durchbruch in der
Diamantbearbeitung gelungen. Hiermit gelang es, selbst nicht ganz
optimal geformte Rohsteine mit geringstem Schleifverlust so zurechtzusägen,
dass man auch aus ihnen noch (gemessen an den Proportionen) ansehnliche
Steine herstellen konnte.

Hieraus ergeben sich folgende Schritte in der heutigen Diamantbearbeitung.


1. Das Markieren

Jeder Rohdiamant ist einzigartig. Deshalb muß jeder Stein sorgfältig untersucht
werden, wie er mit dem geringsten Gewichtsverlust und der größten Reinheit
auf die günstigste Weise bearbeitet werden kann. Mit einer Tuschefeder wird angezeichnet, in welcher Richtung der Diamant gespalten oder zersägt werden
soll. Das Markieren erfordert große Erfahrung und ist der erste Bearbeitungsgang.


2. Das Spalten oder Sägen des Rohdiamanten

Das Spalten findet dann statt, wenn aus einem Stein zwei oder mehrere Stücke gewonnen werden sollen, um Einschlüsse oder Unregelmäßigkeiten zu beseitigen.
Ein roher Stein, der gespalten werden soll, wird mit einem schnelltrocknenden
Kitt auf dem Ende eines hölzernen Halters (Doppe) befestigt. Mit einem anderen, scharfen Diamanten, der auf einem kleineren Halter befestigt ist, wird eine Kerbe gesetzt und der Stein mit einem kurzen Hammerschlag auf diese Klinge gespalten. Diese Bearbeitung findet parallel zur Wachstumsrichtung des Kristalls statt.

Mit dem Sägen wird der Rohdiamant entgegen seiner Wachstumsrichtung geteilt.
Vor dem Sägen wird er wie beim Spalten befestigt. Die Doppe wird auf eine Sägemaschine montiert. Der Diamant wird gegen die mit großer Geschwindigkeit (15.000 bis 17.000 Umdrehungen pro Minute) drehende, senkrecht stehende
Scheibe geführt und sehr langsam durchgesägt.
Die hauchdünne Scheibe (0,04 bis 0,2 mm) aus Phosphorbronze (auch andere Materialien kommen neuerdings zur Anwendung) ist mit einer Mischung aus Öl
und Diamantenstaub beschichtet. Während des Sägens erneuert sich diese
Beschichtung laufend aus dem Sägeschnitt.
Das Sägen von Diamanten geschieht sehr langsam, 2 mm pro Stunde
im günstigsten Fall. Es kann Tage, manchmal sogar Wochen dauern,
bis ein großer Stein durchsägt ist. Das ist unter anderem auch abhängig von der Richtung des Schnittes.


3. Das Rundieren oder Reiben der gespaltenen Teile

Die dritte Stufe der Bearbeitung besteht darin, die Grundfläche des zersägten
(oder gespaltenen) Rohdiamanten rund zu machen, d.h. die Rundiste anzulegen, wodurch der Stein mehr oder weniger die Form eines geschliffenen Diamanten
erhält. Zuvor wird der zurechtgesägte Diamant erneut mit Hilfe einer Doppe
auf einer Reibmaschine aufgekittet. Der rohe Stein wird mit einem anderen
Diamanten, der auf einem langen hölzernen Reibhalter befestigt ist, gerieben,
wodurch der Diamant die gewünschte, abgerundetete Form erhält.
Der dabei anfallende Diamantstaub wird abgesaugt und sorgfältig in einem kleinen Behälter gesammelt, um später beim Sägen oder beim Schleifen
wiederverwendet zu werden.


4. Das Schleifen

Beim Schleifen von Diamanten legt man die Facetten an den Stein an. Dies
geschieht mit einer Schleifzange mit verstellbarer Doppe. Der geriebene Stein
wird in die verstellbare - in einem ganz bestimmten Winkel eingestellte - Doppe eingebettet und mit Hilfe der Zange auf die Schleifscheibe gedrückt.
Diese ist eine sich waagerecht drehende gußeiserne Scheibe, die mit
einer Mischung aus Öl und Diamantstaub beschichtet ist. Auf diese Weise
bekommt man eine Facette mit einer bestimmten Form.
Das Schleifen von Diamanten verläuft in zwei Stufen:
zuerst findet das Kreuzwerk statt. Sowohl auf dem Oberteil (Bereich oberhalb der Rundiste) als auch auf dem Unterteil (Bereich unterhalb der Rundiste) schleift
man die ersten vier Ecken. Danach fängt man zu brillantieren an.
Durch das dauernde Verstellen der Doppe, werden hierbei die anderen Facetten
auf die Kanten der ersten vier Facetten aufgebracht.



Eine gelungene Studie der verschiedenen Stufen eines Schliffes


5. Das Polieren der Facetten

Während des Schleifens jeder der mit geometrischer Genauigkeit angelegten
Facetten muß der Stein mit der Lupe mehrfach überprüft werden.
Dieser Überprüfungsvorgang ist ausgesprochen zeitintensiv, er dauert länger
als der eigentliche Schleifvorgang. Liegt die Facette richtig, wird sie im gleichen Arbeitsgang, aber auf einer anderen Umlaufspur der Schleifscheibe poliert.

Der Schliff, der bei Diamanten am häufigsten verwendet wird, ist der Brillantschliff. Dieser hat insgesamt mindestens 57 Facetten: die Tafel, 32 Facetten auf dem
Oberteil und 24 Facetten auf dem Unterteil. Es gibt aber auch noch viele weitere moderne Schliffformen.
Auch im Diamantgewerbe ist die Entwicklung neuer Technologie zur Produktivitätssteigerung unentbehrlich geworden. Eine Verwirklichung auf diesem
Gebiet ist die Entwicklung der automatischen Schleifmaschine.
Der Computer spielt hier eine wichtige Rolle. Die Merkmale, die Abmessungen
und die Form des Rohdiamanten und auch die des zu schleifenden Steines,
den man als Resultat bekommen will, speichert man in den Computer.
Das Resultat ist ein bestmöglicher Schliff mit Minimalverlust, wenn man alle
Einschlüsse berücksichtigt.
Man hat damit begonnen, ein Stroboskop beim Rundieren zu verwenden.
Der zu reibende Rohstein wird mit sehr kurzen Lichtimpulsen beleuchtet.
Auf diese Weise bekommt das Auge den Eindruck, daß der Stein an einer Seite unaufhörlich beleuchtet wird und stillsteht. Diese Technik ermöglicht eine
Kontrolle des Rundierens, wobei die Maschine nicht ausgeschaltet werden muß.
Dadurch verkürzt sich die Bearbeitungszeit in diesem Arbeitsschritt erheblich.
Diamanten von 0,01 bis 10 Karat (Phantasieschliffe inbegriffen) können mit der automatischen Reibmaschine "Super Bruter" bearbeitet werden.
Die Resultate mit diesem Apparat sind sehr befriedigend. Die Vorteile sind unter anderem eine höhere Produktivität, eine perfekte Rundiste und Gewichtsgewinn.

Auch der Laser wird mehr und mehr in die Produktion einbezogen:
Beim Spalten: Durch die Anwendung des Lasers für das Ritzen der Kerbe hat man auch hier die modernste Technologie eingeführt.
Beim Sägen: Eine neue Technik ist entwickelt, bei der Diamanten mit Hilfe von Laserstrahlen zersägt werden. Hierdurch wird eine gegenüber dem herkömmlichen Sägen viel bessere Ausbeute des Rohstoffes erzielt.

Fazit: Die seit nahezu 500 Jahren unveränderte Technik des Diamant-Bearbeitens ist in jüngster Zeit deutlich in Bewegung geraten. Zu erwarten ist weiter fortschreitender Einfluß der Technik.
   
   
Historische Diamantbearbeitung:



"Historische Diamanten" beweisen, dass gerade Diamanten schon sehr lange
bekannt sind. Aber daraus zu folgern, daß sie auch schon so lange einer
Bearbeitung unterzogen werden, ist allerdings ein Trugschluß.
Denn gerade in Indien, woher die frühesten Diamanten stammen, ist lange Zeit
keine Bearbeitung der Steine erlaubt gewesen. Also durften sie noch nicht einmal
poliert werden. Das war bis ins 14. Jahrhundert so.

In Europa hingegen bemühte man sich bereits ab dem 13. Jahrhundert,
die Wirkung des Diamanten durch Polieren zu erhöhen. Mehr als das Polieren der natürlichen Flächen war aber auch nicht drin; man hatte noch keine Möglichkeit gefunden, diese harten Steine weitergehend zu bearbeiten.

Historisch gesichert ist die Entwicklung der Diamant-Bearbeitung leider nicht.
Man nimmt an, daß zuerst in Venedig das über das bisherige Polieren
hinausgehende Schleifen, das formgebende Bearbeiten, von Diamanten üblich
wurde.Im 15. Jahrhundert, um 1456 oder 1476 herum, soll ein gewisser Lodewijk van
Berquem das Diamantschleifen mit Hilfe von feinem Diamantstaub entdeckt haben.

Erste Beschreibungen findet man 1568 in den Aufzeichnungen des berühmten Goldschmiedes Benvenuto Cellini.

Von Venedig gelangte das Wissen um diese Technik in die Niederlande.
Von hier aus auch nach Indien, wo man sich dem Druck der Nachfrage schließlich beugte.


Entwicklung vom Spitzstein zum modernen Brillantschliff

Die ersten, nur polierten Steine nannte man, nach der Steinform, Spitzsteine.
Dieses erste Glied in der Reihe von Entwicklungen wird mit der Entdeckung des Schleifens mit Diamantstaub zum Dickstein abgewandelt (Mitte des
16. Jahrhunderts). Dazu wurde einem Diamanten in Oktaeder-Kristallform
die obere Spitze zu einer großen ebenen Fläche
abgeschliffen (Tafel), und die untere zu einer kleineren (Kalette).

Mit der fortschreitenden Möglichkeit des Schleifens gab man den Steinen auch
mehr und mehr Facetten, die das Lichtspiel, die optische Wirkung also,
vermehrten. Den ersten Schritt hierbei stellt das sog. einfache Gut dar.
Hierbei werden den natürlichen Facetten künstliche hinzugefügt.
Die vier seitlichen Kanten des Ober- und Unterteils des Dicksteins werden zu je
einer Facettenfläche abgeschliffen. Dieser Stein besitzt also mit Tafel und Kalette insgesamt 18 Facetten.

Als nächstes folgte logischerweise das zweifache Gut; hierbei legte man weitere Facetten über den seitlichen Kanten an. Es entstanden 34 Facetten und ein
gerundeter Grundriß (Rundiste). Der Entwurf dieses Schliffs wurde dem
französischen Kardinal und leitenden Minister Ludwigs XIII Jules Kardinal Mazarin zugerechnet (um 1650). Aus diesem Grunde wird er auch Mazarinschliff genannt.

Dieser Schliff wird folgerichtig Ende des 17. Jahrhunderts zum dreifachen Gut weiterentwickelt. Der angebliche Erfinder hiervon soll Vincenzio Peruzzi aus
Venedig sein ("Peruzzi-Schliff"); allerdings muss man hier anmerken, dass es in
Venedig nie einen solchen gab. Wie dem aber auch sei, dieser Schliff kommt dem heutigen Brillantschliff mit seinen mindestens 58 Flächen (Facetten) schon
ziemlich nahe.