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Diamantvorkommen

Mag die Entstehung der Diamanten noch weitgehend im Dunkeln liegen,
so weiss man doch eines sehr genau, wo sie auf der Erdoberfläche vorkommen:
in Kimberlit, einem Gestein, das nach der südafrikanischen Stadt Kimberley
benannt ist, wo es im Jahre 1880 erstmals bestimmt wurde.

Kimberlit ist das hetrogene Produkt einer chaotischen Entstehungsgeschichte,
denn bei ihm handelt es sich um das Gestein, das explosionsartig durch die
Pipes aus dem Erdmantel nach oben befördert wurde.
Neben erstarrtem Magma, unterschiedlicher Zusammensetzung enthält Kimberlit,
Gesteinfragmente, die er auf seiner verhementen Reise mitgerissen hat.

Lagerstätten von diamantführendem Kimberlit, die man in Afrika, Brasilien,
Indien, Australien, Nordamerika und Sibirien gefunden hat, kommen nur in
den ältesten und stabilsten kontinentalen Gebieten vor, weit weg von den
unruhigen Zonen, in denen die starren Platten, aus denen die Erdkruste besteht,
sich voneinander entfernen, aneinander entlangschrammen oder zusammenstoßen.
Die Kruste ist unter diesen alten, ungestörten, kontinentalen Plattenteilen, den
sogenannten Schilden, am dicksten und ihr Gewicht erzeugt Druck, der hoch
genug ist, um in den oberen Bereichen des Mantels- dem Herkunftsort des
Kimberlit-Diamanten enstehen zu lassen. Viele Kimberlit-Vorkommen wurden
vor 70 bis 150 Millionen Jahren gebildet, es wurden allerdings auch
solche gefunden, die bis zu 1,2 Milliarden Jahre alt sind.

Weil das Kimberlit warscheinlich große Mengen festen Gesteins enthielt,
schoss es nicht wie flüssige Lava aus den Spalten in der Erdoberfläche.
Vielmehr führte der Druck des aufsteigenden Magmas warscheinlich dazu,
dass sich das Oberflächengestein nach oben wölbte und dann im Zentrum
zusammenbrach, als die das Kimberlit treibende Gase entwichen waren.
In dem so entstandenen Krater erstarrte es zu einer Gesteinsablagerung mit einem,
Durchmesser von einigen hundert Metern bis 1,5 Kilometern.
Hier waren die primären Vorkommen von Diamanten enstanden, d.h. die Diamanten
befinden sich an dem Ort, an dem sie ursprünglich an die Erdoberfläche gelangten


Wie jede andere Gesteinsart auf der
Erdoberfläche wurden auch diese Krater
von Wasser, Wind, Eis oder Chemikalien
in der Atmosphäre angegriffen.
Dadurch werden sie abgeflacht und
abgetragen und es entsteht der so genannte
yellow ground (gelbe Erde). Dabei handelt es
sich um den durch o.g. Einflüsse verwitterten Kimberlit,
in dem die ersten Diamanten aus primären Vorkommen in Südafrika
gefunden wurden. Den darunter befindlichen nicht verwitterten Kimberlit,
blue ground (blaues Gestein), erkannte man erst später als diamant-
führend.

Schwerkraft, Wind und Wasser führen die Bruchstücke der Krater weg und lagern
sie oft über große Entfernungen als Sedimente in Flußbetten,
Schwemmlandeebenen und auf dem Meeresgrund ab.
Während Gestein durch den langsamen Prozess der Erosion abgetragen wird, bleiben die viel härteren Diamanten,
die auch durch das sehr lang andauernde Rollen und Schieben nicht langsam
stromabwärts gespült werden. Dort sammeln sie sich nach und nach in den sogenannten
Seifenlagerstätten.

Diese sekundären Vorkommen sind meist ergiebigere, konzentriertere Lager-
stätten als die primären Vorkommen, weil dort schon ein Ausleseprozess
stattgefunden hat.

Weltweite Verteilung der Diamantvorkommen

Historisch betrachtet, sind Diamantvorkommen in Indien die ersten gewesen,
die ausgebeutet wurden. Von hier stammen auch die meisten der historischen
Diamanten. Die dortigen Hauptvorkommen sind vorwiegend in den östlichen
Landesteilen zu finden. Bis zur Entdeckung der ersten Diamanten in Brasilien,
versorgte allein Indien den Weltdiamantbedarf; man schätzt, dass dort bis zu
diesem Zeitpunkt 30 Millionen Karat Rohdiamanten gefördert worden waren.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden dann die brasilianischen Diamtvorkommen
entdeckt. Diese waren hauptsächlich in der Nähe von Flüssen anzutreffen
(sekundäre Vorkommen). Die dortigen Funde waren so ergiebig, dass der Handel
aus Indien fast völlig zum Erliegen kam. Die in dieser Zeit aus Brasilien in Europa
eintreffenden Mengen betrugen etwa das zehnfache der indischen Produktion.

Beinahe 150 Jahre war Brasilien der Welt-Hauptlieferant für die aber auch ständig
zunehmenede Diamantennachfrage. Nach 1850 erschöpften  sich langsam die
dortigen Diamantvorräte- der Handel kam abermals fast zum Erliegen.
Aber zum Glück wurden gerade in dieser Zeit die ersten Funde in Südafrika
gemacht. Diese waren deshalb so bedeutend, weil sie die ersten primären
Diamantvorkommen waren, die entdeckt wurden (vorher kannte man nur
sekundäre) und weil sie zum einen ausgesprochen ergiebig waren. Zum anderen
legten sie den Grundstein für die noch heute andauernde weltweite Machtstellung
des De Beers-Konzerns.
In dieser Zeit erreichte der Diamant einen Anteil von mehr als 80%
des weltweiten Edelsteinumsatzes (deshalb wurde er auch "König der Edelsteine"
genannt). Das barg natürlich Gefahren für den Preis, so dass besondere
wirtschaftspolitsche Maßnahmen notwendig wurden, um die relative Sicherheit
des Diamanten zu erhalten, auch wenn von der Gesamtförderung durchschnittlich
nur ein Viertel für Schmucksteine geeignet waren.
Eine zentrale Verkaufsstelle für den größten Teil der südafrikanischen Roh-
diamanten wurde gegründet, um Angebot und Nachfrage über eine Anpassung der
Fördermenge einander anzugleichen. Der Vorläufer der heutigen Central Selling
Organisation von De Beers war gegründet worden.

Bis zur Gegenwart brachte das 20. Jahrhundert weitere Entdeckungen afrikanischer
Diamantvorkommen. Der Anteil der Diamanten mit Edelsteinqualität ist in
Namibia außgergewöhnlich hoch. Er beträgt 90-95% (vorwiegend sekundäre
Vorkommen aus den Pipes von Südafrika.

Mittlerweile hat sich Russland zu einem der größten Diamantproduzenten
entwickelt. Erst ab 1949 wurden die dortigen Vorkommen ernstzunehmend
abgebaut. Umfangreiche alluviale Vorkommen in Sibiren, später auch
diamantführende Pipes, lassen Russland bald an einen der obersten Plätze in der
Weltrangliste der Diamantlieferanten aufsteigen.

Auch China gehört nun zu den bedeutenden Diamantländern.
Die ersten Lagerstätten (vorrangig alluviale) wurden ab 1940 entdeckt,
später gelang dann der große Durchbruch mit der Entdeckung mehrerer Kimberlit-
schlote.

Als beinahe spektakulär sind die Vorkommen in Australien zu nennen.
Seit 1986 ist die dortige Argyle-Mine im Nordwesten des Kontinents in
Vollproduktion und 1994 wurden bereits 39 Millionen Karat gefördert.
Das entspricht etwa einem Drittel der Weltproduktion-der erste Platz.
Relativierend muss allerdings angeführt werden, dass der wermäßige Anteilkaum
kaum ein Zehntel davon beträgt. Denn nur 5 % der Gesamtproduktion sind
Diamanten mit guter Edelsteinqualität (Schmucksteine), 45 % mit minderer
Schmuckqaulität und 50 % Industrieware.

In Nordamerika wurden mehrere Funde gemacht, darunter auch Pipes,
aber keiner von großer Bedeutung. Für die Zukunft ist jedoch in Kanada
mit einer großen Diamantproduktion zu rechnen.

Diamantvorkommen in Indien

Jean Baptise Tavernier bereiste in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
40 Jahre lang den Fernen Osten, insbesondere Indien. Dort traf er mit vielen
der damaligen Herrscher und Mächtigen zusammen; woran er um so mehr
interessiert war, wenn diese eine aufregende Edelsteinsammlung vorzuweisen
hatte.

Sein eigentliches Vermächtnis aber war nicht sein Reichtum-den hatte auch ein
an seinen Unternehmungen beteiligter Neffe vergeudet-sondern die Fülle von
Fakten, Anekdoten und Legenden, die er der Nachwelt hinterließ.

Er machte Aufzeichnungen über die vielen Edelsteine, die er zu Gesicht bekam,
zeichnete sie und trug so dazu bei, dass wor heute so vieles von damals wissen.

Er war es, der den berühmten Pfauenthron und den Großmogul sah und beschrieb,
er erwarb den blue Hope und beinahe hätte er den Koh-i-Noor
zu Gesicht bekommen.

Er wusste, dass kein Edelstein wahrhaft wertvoll wird, ehe er nicht eine lange
Geschichte aufzuweisen hat.